Gott um modernen Papst gebeten (WAZ)
Eigentlich wollte Kaplan Gregor Myrda schon vor der Kirche ein Gebet gesprochen haben. Eigentlich wollten Pfadfinder von Anfang an das Kreuz tragen. Doch als das Kreuz eintrifft, geraten diese Pläne durcheinander. Zu groß ist die Aufregung. Hat doch der Papst persönlich dieses Symbol vor 20 Jahren als Leitbild für die Jugend auf Weltreise geschickt.
Janine (10) und Lisa (9) sind zwei Wölflinge aus der Pfadfindergruppe, die aufgereiht hinter dem rot-weißen Absperrband steht. Nervös sind die beiden, denn "wir sollen mithelfen, wenn das Kreuz kommt". Messdiener Patrick Spinde (16) schwenkt schon eifrig das Weihrauchfass auf dem Vorplatz der katholischen Kirche St. Peter und Paul. "Das ist schon ein großes Ereignis", sagt er. Gleich muss das Kreuz kommen.
Unter den vielen Fahnenschwenkern ist auch Wolfgang Beyer (64), Vorsitzender der KAB. Er hofft, dass er an diesem Abend jungen Leute ein bisschen auf die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung aufmerksam machen kann. "Wir hoffen auf Nachwuchs. Wir brauchen die Jugend. Aber die geht meist ihre eigenen Wege."
Dann übertönt spontaner Applaus jedes weitere Wort. Ein weißer VW-Transporter, extra lang, des Malteser Hilfsdienstes fährt vor. "Kreuzbewegt" steht drauf, Manfred Puzicha (55) sitzt drin. Er chauffiert die begehrte Fracht derzeit durchs Bistum Essen, kreuz und quer. "Da kriegt man schon eine besondere Beziehung zum Kreuz." Routiniert lädt er zuerst den langen Balken aus, drückt ihm einem Malteser-Vertreter und dem Küster in die Hand. "Wir wollten es doch sofort übernehmen", jammert ein Pfadfinder. Doch erst setzt Puzicha noch den Querbalken auf und dreht vier Schrauben in beide Hölzer ein. "Ohne hält kein Kreuz."
Erst dann wird ´s richtig feierlich. Mehr als ein Dutzend Pfadfinder übernehmen das Holz, das von Gebrauchsspuren gekennzeichnet ist, tragen es ehrfurchtsvoll zum Altar. "Das Kreuz ist durch Jesus Auferstehung zu unserer Hoffnung geworden", sagt Kaplan Myrda zur Gemeinde, die einen Festgottesdienst feiert. Die Kirche ist fast so voll wie an Weihnachten, und Kerzen auf allen Bänken tauchen sie in ein stimmungsvolles Licht.
Für die Gemeinde ist der Besuch des Kreuzes der Auftakt zum Weltjugendtag, auch wenn der erst im August 2005 stattfinden wird. Eine Jugendliche predigt: "Kirche ist nicht langweilig, spießig und für alte Leute. Kirche ist, was ihr draus macht." Und bekommt Applaus. Dass die Jugendlichen einen fortschrittlichen Glauben wollen, demonstrieren sie auch in ihren Fürbitten an Gott. Sie beten für den Papst, dass er bei seinen Entscheidungen "so weise" sei, dass er "sie mit der Modernität in Einklang bringt".
... erfasst am 11.08.2005 - 15:44 Uhr von Christian Wallau